Ericsson und Deutsche Telekom führen erfolgreich gemeinsamen europäischen 100G-F&E-Feldversuch (100GET) auf vorhandener optischer Plattform durch
Ericsson und die Deutsche Telekom haben erfolgreich einen Feldversuch zur optischen Übertragung höchster Bandbreiten abgeschlossen. Neben anderen Unternehmen beteiligen sich Ericsson und die Deutsche Telekom am öffentlich geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekt 100GET, in dessen Rahmen dieser Versuch stattfand. Durch diese neuartige Übertragungstechnik – die im Test durch Ericssons WDM-Plattform Marconi MHL 3000 bereitgestellt wurde – lässt sich die wachsende Nachfrage der Kunden nach schnellen Breitbanddiensten in leitungsgebundenen und mobilen Breitbandnetzen künftig einfacher bedienen. Durch eine beträchtliche Steigerung der Kapazitäten vorhandener Glasfasernetze bietet das optische Übertragungssystem den Netzbetreibern die Möglichkeit, ihre Netze schrittweise mit geringem Investitionsaufwand auszubauen und den Energieverbrauch pro übertragenem Bit zu senken, was wesentliche Kosteneinsparungen ermöglicht.
Immer mehr Menschen nutzen IPTV und Videoanwendungen über das Internet. Parallel dazu wird auch im geschäftlichen Bereich immer mehr Audiomaterial über das Web versendet. Dies führt zu einem dramatischen Anstieg der Bandbreite, die durch das Netz transportiert werden muss. Ein Ausbau der gesamten Übertragungsinfrastruktur ist daher unumgänglich. Um diese zusätzlich benötigte Kapazität – und insbesondere die Verbindungen zwischen den im Corebereich der Festnetze und der konvergierten Netze eingesetzten Router – handhaben zu können, setzt die optische Industrie zunehmend auf eine Reihe von höherbitratigen Übertragungsstandards. Ericsson zählt zu den Vorreitern auf diesem Gebiet, was durch eine Reihe von laufenden 40G-Rollouts und das Vorantreiben der 100G-Roadmap des Unternehmens eindrucksvoll belegt wird, die es ermöglicht, die steigende Nachfrage nach zusätzlicher Bandbreite durch den Upgrade vorhandener Marconi MHL 3000-Systeme zu decken.
Hans-Dieter Haag, Mitglied der CTO-Organisation in der Konzernzentrale der Deutschen Telekom AG, meint dazu: „Die Verfügbarkeit einer flexiblen optischen Transportebene ist für heutige und künftige Übertragungsnetze – sowohl aus technischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht – eine absolute Notwendigkeit. Dies steigert den Wert unserer vorhandenen Glasfaserinfrastruktur und hilft uns dabei, das Bandbreiten-/Einnahmenparadoxon zu meistern. Darüber hinaus stellt dies eine Schlüsseltechnologie dar, die unsere Bemühungen auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz unterstützt. Die Deutsche Telekom beteiligt sich aktiv an der Definition verschiedener 100G-Standards. Wir freuen uns daher sehr über die Möglichkeit, unsere vorhandene Technik mit kombinierten 10G- und 40G-Verkehrsströmen letztendlich auch für die Übertragung von 100G-Kanälen nutzen zu können.“
Håkan Eriksson, Senior Vice President und CTO bei Ericsson, stimmt dem zu: „Die 100G-Übertragung ist das absolute Highlight der Glasfasertechnik und wird in den kommenden Jahren voraussichtlich für viele Netzbetreiber zu einer Kernanforderung werden. Für Ericsson ist es ein hervorragendes Unterscheidungsmerkmal, dass wir diese Technik schon jetzt vorführen können und bei deren Weiterentwicklung eng mit Kunden wie der Deutschen Telekom und den zuständigen Standardisierungsgremien zusammenarbeiten.“
Für den Feldversuch wurde ein vorhandener Link mit kombiniertem 10G- und 40G-Verkehr und einem Kanalabstand von 50 GHz eingesetzt. Unter Verwendung des RZ-DPQSK-Polarisationsmultiplexverfahrens und eines schnellen Polarisations-Trackers wurde über eine 600 km lange herkömmliche SMF-Faser eine Leitungsrate von 112 Gbit/s erreicht. Der Link beinhaltete mehrere ROADMs und ungleichmäßig verteilte Verstärker. Bei einer Optimierung der Links für größere Entfernungen lassen sich optische Strecken von über 1200 km abdecken, was in Laborversuchen bereits nachgewiesen wurde.
Im Rahmen des laufenden F&E-Projekts 100GET werden die Deutsche Telekom und Ericsson im Jahr 2009 weitere Feldversuche durchführen. Sie werden dabei auch eng mit Kunden zusammenarbeiten, um die am besten geeigneten Modulationsformate zu bestimmen, damit die Produkte deren Anforderungen optimal erfüllen.
Darüber hinaus werden die Deutsche Telekom und Ericsson auch weiterhin die laufenden Forschungs- und Standardisierungsanstrengungen auf dem Gebiet der hochbitratigen optischen Übertragung vorantreiben, so zum Beispiel im Bereich der 40 GbE- und 100 GbE-Technik in Zusammenarbeit mit dem IEEE, beim Einsatz von OTN der nächsten Generation mit der digitalen Hierarchiestufe OTU-4 mit einer Bandbreite von bis zu 112 Gbit/s mit der ITU-T und bei der 100G-Weitverkehrsübertragung mit dem OIF.
Das Ethernet ist heute die bevorzugte Schnittstelle für den Transport von Paketanwendungen; mit der 100GbE-Technik lässt sich im Vergleich zum heutigen Ethernet eine zehnfache Erhöhung der Bandbreite erreichen.