Mobilfunk revolutioniert Wetterüberwachung in Afrika
Das Global Humanitarian Forum und sein Präsident, der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan, haben eine Initiative angekündigt, die das Wetterbeobachtungssystem in Afrika entscheidend verbessern soll. Dazu sollen bis zu 5.000 zusätzliche automatische Wetterstationen beitragen. Die Initiative trägt den Namen „Weather Info for All“ und wurde gemeinsam mit Ericsson, der World Meteorological Organization (WMO), dem Mobilfunkunternehmen Zain und dem Earth Institute der Columbia University ins Leben gerufen.
Nach einem aktuellen Bericht des Global Humanitarian Forum ist der Klimawandel verantwortlich für etwa 300.000 Todesfälle pro Jahr und mehr als 100 Milliarden US-Dollar wirtschaftlicher Schäden. In Afrika ist die Lage besonders dramatisch: Etwa 70 Prozent der Afrikaner, fast 700 Millionen Menschen, sind direkt von der Landwirtschaft abhängig. Um Maßnahmen zum Schutz vor aufziehenden Unwettern oder zur rechtzeitigen Bewässerung von Pflanzungen treffen zu können, ist es daher enorm wichtig, auf verlässliche Wetterinformationen zugreifen zu können.
Doch in Afrika ist dies besonders schwer zu realisieren. Das Netz zur Wetterbeobachtung ist acht Mal kleiner, als der von der WMO empfohlene Mindeststandard. Es gibt weniger als 200 Wetterstationen, die die Anforderungen der WMO erfüllen. In Europa, Nordamerika und Teilen Asiens sind es jeweils mehrere tausend Stationen. Deshalb sollen auf Basis dieser Initiative bis zu 5.000 zusätzliche Wetterbeobachtungsstationen in Afrika aufgebaut werden. Die Pläne sehen vor, sie im Laufe der nächsten Jahre auf neuen oder bestehenden Mobilfunkstationen auf dem gesamten Kontinent zu installieren.
Ericsson, der weltweit führende Anbieter von Telekommunkationstechnologien und -diensten, wird hierzu seine Beziehungen zu afrikanischen Netzbetreibern wie Zain nutzen, an deren Standorten in ganz Afrika die Wetterstationen eingesetzt werden sollen. Um das angestrebte Ziel von 5.000 Stationen erreichen zu können, ist die Initiative auf zusätzliches Engagement von Netzbetreibern und externen Geldgebern angewiesen.
Kofi Annan, Präsident des Global Humanitarian Forum, sagte bei der Vorstellung der Initiative auf der Global Platform for Disaster Risk Reduction: „Die ärmsten Menschen der Erde sind den Einflüssen des Klimawandels am stärksten ausgesetzt. Zugleich haben sie die geringsten Möglichkeiten, sich davor zu schützen. Mobilfunkstationen findet man heute überall in Afrika. Wir hatten noch nie die Möglichkeit, ein so umfassendes Wetterbeobachtungssystem aufzubauen, wie es jetzt der Fall ist. Indem wir die Erfahrungen und die Ressourcen verschiedener öffentlicher und privater Akteure bündeln, kann dieses Projekt nicht nur helfen, Leben zu retten. Es sichert auch die Existenz jener Gemeinschaften in Afrika, die in dem Klimawandel am stärksten ausgesetzt sind.“
Die ersten Installationen im Netz von Zain haben bereits begonnen. Sie betreffen zunächst Gebiete rund um den Viktoriasee in Kenia, Tansania und Uganda. Mit Hilfe der ersten 19 Stationen, die installiert werden, wird sich das Volumen der dort verfügbaren Wetterdaten bereits verdoppeln. Jedes Jahr kommen alleine hier rund fünf tausend Menschen durch Stürme und Unfälle ums Leben.